Liebe Leserin, lieber Leser!
Wie gut, dass wir uns den Zugang in die Gemeinschaft mit Gott nicht verdienen müssen. Religionen fordern Leistung, um die Gottheit zufriedenzustellen. Die Botschaft der Bibel ist eine ganz andere: Gott macht die Gemeinschaft mit uns nicht abhängig von unserer Anstrengung, sondern will uns beschenken. Die Bewegung in den Religionen ist von unten nach oben – der Mensch versucht, die Gottheit zufriedenzustellen. Die Bewegung des Evangeliums ist immer von oben nach unten – Gott kommt zu uns. Das ist Gnade. Darüber können Sie beim Lesen dieser Ausgabe mehr erfahren. Ich wünsche Ihnen von Herzen Gottes Segen! Ihr
Hartmut Jaeger
Im November 2020 – in der nasskalten Jahreszeit – zeigten sich bei mir erste Erkältungssymptome. Zunächst nahm ich das nicht ernst, doch meiner Familie fiel schnell auf, dass sich mein Zustand täglich verschlechterte. Neben starker Erschöpfung traten Orientierungsschwierigkeiten auf. Schließlich wurde ich ins örtliche Krankenhaus gebracht. Zuerst lag ich auf der Normalstation, doch bald musste ich auf die Intensivstation verlegt und ins künstliche Koma versetzt werden. An diese Zeit habe ich keine Erinnerung. Meine Frau durfte mich wegen der Corona-Bestimmungen nicht besuchen und erhielt nur telefonisch die Nachricht, dass es sehr schlecht um mich stand. Viele Christen im ganzen Land beteten in dieser Zeit für mich. Nach etwa sieben Tagen geschah das Unerwartete: Mein Zustand besserte sich plötzlich. Als ich aus dem Koma erwachte, sagte der Chefarzt, mein Genesungsverlauf sei ein wahres Wunder. Einige Tage später kam ich zurück auf die Normalstation und wurde nach rund vier Wochen als gesund entlassen. Die Folgen der Krankheit und des Komas waren jedoch deutlich spürbar – ich musste das Gehen und Sprechen mühsam wieder erlernen. Während der Reha machte ich mit dem Rollator meine ersten Schritte zurück ins Leben. Heute, vier Jahre später, bin ich tief dankbar. Ich weiß, dass mein Überleben keine Selbstverständlichkeit ist. Freunde, teils jünger als ich, haben die Krankheit nicht überlebt. Besonders bewegend war ein Erlebnis kürzlich in derselben Klinik: Als wir unsere Oma besuchten, erkannten mich einige Krankenschwestern sofort wieder. Sie erinnerten sich, wie sie damals „um mein Leben gekämpft“ hatten. Dieses Wiedersehen hat mich tief berührt und meine Dankbarkeit gegenüber Gott neu entfacht. Ich darf leben – durch Gottes Gnade. Dafür sage ich von Herzen: Gott sei Dank!
› Michael Scheller
"Du bekommst, was du verdienst!"
Unser Alltag ist voll von diesem Denken: Lohn für Leistung, Strafe für Fehlverhalten. Doch niemand von uns kann sich ewiges Leben verdienen und den obersten Moralkodex, den Moralkodex Gottes, halten, denn wir „alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes“ (Römer 3,23). Hier zeigt sich Gottes Logik. Er gibt nicht, was wir verdienen. Er schenkt, was wir nie verdienen könnten: Gerechtigkeit – und damit auch ewiges Leben in seiner Gegenwart. Der Satz aus Römer 3 geht weiter: „… und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“ (Vers 24). In Jesus Christus, der das auf sich genommen hat, was wir verdient haben, nämlich den Tod, begegnet uns ein Gott, der die Schuld vergibt, die wir nicht abtragen können. Der auch dort liebt, wo wir versagt haben. Der nicht nach Leistung fragt, sondern nach Vertrauen. In gnadenlosen Zeiten, in denen Fehler verurteilt und Schwächen zur Schau gestellt werden, ist das Evangelium der Gnade befreiend. Es sagt: Du bist mehr als deine Leistung. Du bist angenommen. Umsonst, aus Liebe. Das ist kein billiger Spruch, sondern die kostbarste Wahrheit: Gottes Barmherzigkeit ist größer als jede Schuld. Wer das glaubt, ist frei – aus Gnade, nicht aus Verdienst.
› Isabel Hess
Was ist eigentlich? Gnade
Gnade ist … vor allem unverdient. Was meinen wir nicht alles verdient zu haben! Unseren Lohn, unser Zuhause, Partner, Kinder, Erfolg und Anerkennung. Aber stimmt das wirklich? Sind wir, was wir haben, und bekommen wir, was wir verdienen? John Newton, einem Sklavenhändler, wurde auf einer Atlantiküberfahrt bewusst, was er für eine große Schuld auf sich geladen und dass er eigentlich den Tod verdient hatte. Aber statt sein Leben in Sturm und Meer zu beenden, erfuhr John, dass derjenige von Gott begnadigt wird und Frieden ins Herz bekommt, der Jesus seine Sünden bekennt. Im Bewusstsein, das seine Schuld vergeben war, und angesichts der erlebten Gnade, dass er eben nicht das bekommen hatte, was er verdiente, setzte er sein weiteres Leben für Gott ein, und dafür, Menschen von der Sklaverei zu befreien. Gottes Gnade ist immer größer alle menschliche Schuld. Im Lied „Amazing Grace“ erzählt John davon.
› Hans-Jürgen Zilg
Vom Sünder zum Sänger
John Newtons Leben gleicht einem Abenteuerroman: Mit 18 Jahren wird der Kapitänssohn zur Marine gepresst, scheitert beim Desertieren, wird ausgepeitscht und erniedrigt. Später landet er als Mitarbeiter bei einem Sklavenhändler in Afrika – bis er selbst wie ein Sklave in Ketten gelegt wird. Nach seiner Rettung lebt er ausschweifend als Sklavenhändler. Doch ein Sturm auf hoher See wird im März 1748 zum Wendepunkt seines Lebens: Newton überlebt – und überlässt fortan Gott das Steuerruder seines Lebens. Diese radikale Umkehr verändert sein Leben. Zwar fährt er zunächst weiter als Kapitän von Sklavenschiffen, doch mit der Zeit wird aus dem brutalen Händler ein entschiedener Gegner der Sklaverei. Als Pfarrer erhebt er seine Stimme gegen das Unrecht und unterstützt den Politiker Wilberforce im Kampf gegen den Sklavenhandel. 1779 bringt er zusammen mit seinem Dichterfreund Cowper das Liederbuch „Olney Hymns“ heraus. Es enthält das bis heute berühmte Lied „Amazing Grace“. Newtons letzte Worte vor seinem Tod fassen den Inhalt des Liedes sehr gut zusammen: „Mein Gedächtnis ist fast dahin, aber ich erinnere mich an zwei Dinge: dass ich ein großer Sünder bin und das Christus ein großer Erlöser ist!“
› Thomas Kleine
